Willkommen im Online-Museum für Espressomaschinen!

Im Jahr 1901 revolutionierte Luigi Bezzera die Zubereitung von Kaffee. Zuvor wurde dieser in Kaffehäusern genauso gebrüht wie in den privaten Haushalten und die dafür eingesetzen Maschinen unterschieden sich lediglich in ihren Dimensionen. Doch der große Kaffeeumsatz in Kaffeehäusern und Bars konnte mit dem herkömmlichen Brühvorgang nicht gedeckt werden. Dampfbetriebene Maschinen waren zu dieser Zeit in vielerlei Anwendungsgebieten eingesetzt und Bezzera übertrug das Prinzip auf die Kaffeezubereitung: In dem er den Wasserboiler unter Druck setzte, konnte der Brühvorgang schneller ablaufen. Der Kaffee konnte also auf Bestellung "espressivo" produziert werden, daher der Begriff "Espresso". Die erste Maschine aus dem Werk von Bezzera vom Typ "Gigante" hatte die typische Säulenform, die von anderen Herstellern wie La Cimbali, La Pavoni, La San Marco, Victoria Arduino und anderen übernommen wurde. Äußerlich änderte sich die Gestaltung zwar in dem folgenden halben Jahrhundert geringfügig, vom grundsätzlichen Prinzip (sowohl technisch wie auch das generelle Erscheinungsbild) wich man jedoch nicht ab. Erst La Pavoni wagte mit der Cornuta 1948 eine völlige Abkehr von tradierten Prinzipien. Der für das Design beauftragte Architekt Giò Ponti richtete die Brühgruppen waagrecht am ebenfalls horizontal liegenden Boiler an.

 

Auch in technischer Hinsicht markiert das Jahr 1948 einen Wendepunkt bei der Konstruktion von Espressomaschinen. Der neue Wettbewerber auf dem Markt, Achille Gaggia, reichte ein Jahr zuvor ein Patent einer neuartigen Hebelbrühgruppe ein und brachte noch 1948 eine erste damit ausgestattete Maschine (Gaggia Classica, 1948) auf den Markt. Erstmals wurde nicht der Boilerdruck für den Brühvorgang genutzt, sondern eine mittels Handhebel vorgespannte Feder übte den notwendigen Druck auf den Kolben aus, welcher das Wasser letztlich durch das Kaffeemehl drückte. Nun konnte auch der Druck im Boiler reduziert werden, so dass zwar noch Milch aufgeschäumt werden konnte, aber das Wasser beim Auftreffen auf den Kaffee durch die massive Brühguppe heruntergekühlt wurde, so dass es dann nicht mehr kochte. Dies wirkte sich äußerst positiv auf den Geschmack aus. Und einen weiteren Nebeneffekt hatte dieses Produktionsverfahren: Es entstand eine Crema, welche die Kundschaft anfangs etwas kritisch beurteilte. Gaggia begegnete dieser anfänglichen Skepsis in dem er einen Aufdruck "crema caffè Naturale" an der Espressomaschine anbrachte. Gaggia brachte in den Folgejahren einige bemerkenswerte Maschinen auf den Markt, die durch prägnantes Design aufwarteten. Die Esportazione1 (1950) bekam aufgrund ihrer Form schnell den Beinamen "Sardinenbüchse". 1952 brachte der Hersteller mit der Gilda eine Haushaltsmaschine auf den Markt, die auch 1954 mit einer veränderten Gestaltung viele Kunden begeisterte. In den Bars machte vor allem die Internazionale (1953) aufgrund ihrer umwerfenden Optik eine gute Figur.

 

Eng mit Gaggia verknüpft ist die Geschichte einer anderen bekannten Marke. Achille Gaggia suchte anfangs einen Produzenten für seine Idee und nach langem Suchen fand er diesen mit Ernesto Valente. Doch schon kurze Zeit später ging man im Streit auseinander und Gaggia gründete eine eigene Produktionsstätte. Ernesto Valente erkannte das wirtschaftliche Potential und gründete Faema. Dieses Unternehmen expandierte sehr zum Leidwesen von Achille Gaggia sehr schnell und konnte auch mit technischen Innovationen aufwarten. Schließlich war es das Unternehmen Faema, welches 1961 mit der legendären E-61 die erste Pumpen-betriebene Maschine auf den Markt brachte. Aber auch davor zündete Erneste Valente ein wahrhaftiges Produktfeuerwerk. Die nach Planeten bezeichnete Serie (Mercurio, Marte, Nettuno, Saturno, Venere und Urania) ist heute bei Sammlern sehr begehrt. Einige alte Marken verschwanden oder gerieten in Bedeutungslosigkeit und erstaunlicherweise waren es gerade diese beiden Newcomer, die in den späteren Jahren tonangebend waren.

 

Neben Gaggia und Faema überzeugte vor allem La Pavoni mit interessanten Maschinen. Die Concorso kann hier sicherlich als wegweisend bezeichnet werden, da sie erstmalig eine modulare Bauweise aufweist, so dass sie modulartig zu einer, zwei, drei oder vier Gruppen zusammengesetzt werden konnte. Von La San Marco stammt eine weitere interessante Maschine, die wohl auch aufgrund ihrer weiblichen Formgebung nach der italienischen Schauspielerin Lollobrigida benannt wurde.

 

Insbesondere die Zeit des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg war von einer überwältigenden Vielfalt an Designkonzepten von Espressomaschinen gekennzeichnet. In den ersten Jahren muteten die Maschinen noch barock an. Schon sehr bald schwappte jedoch das farbenfrohe Jukebox-Design aus Amerika herüber und kaum ein Hersteller verzichtete auf die Integration einer effektvollen Beleuchtung auf der Gastseite der Maschinen. Die Espressomaschine rückte in den Mittelpunkt der Bars und dementsprechend maßen die Hersteller auch dem Design große Beachtung bei. Es wurden Designer wie der schon zuvor erwähnte Gio Ponti aber auch Alberto Rosselli, Bruno Munari oder Marco Zanusi verpflichtet. Kaum eine Maschine glich einer anderen. Weder innerhalb einer Marke und schon erst recht nicht zwischen den Marken.

 

Erst als die Espressomaschine Anfang der 70er in den Bars und Cafes von der Theke verschwand und ihren Platz in einer hinteren Ecke oder an der Wand einnahm (und damit die Rückseite vom Gast nicht mehr wahrgenommen werden konnte), geriet das Design allmählich zur Nebensache.

 

Hier im Online-Museum können Sie sich jedoch noch ein Bild vom goldenen Zeitalter machen. Es befinden sich noch weitere Maschinen in der "Warteschlange", die nach und nach präsentiert werden sollen. In Kürze folgen eine Gaggia Internazionale und eine La Cimbali Eleva. Viel Spaß beim Besuch.

Avanti!